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Ich empfehle nur Dinge, die ich selbst gelesen oder ausprobiert habe und wirklich mag.

Zwischen Job, Kindern und allem anderen bleibt das Lesen oft als Erstes liegen. Der angefangene Roman wandert auf den Nachttisch, und da liegt er dann. Wochenlang. Kennst du das?

Und dann gibt es diese Abende, an denen endlich Ruhe einkehrt. Die Kinder schlafen, das Handy liegt mit dem Display nach unten irgendwo, eine Tasse Tee in Reichweite, und ich mache es mir auf dem Sofa gemütlich und tauche einfach ab. Das sind meine liebsten Stunden der ganzen Woche.

Genau in so einer Phase sind mir die sechs Bücher begegnet, von denen ich dir hier erzähle. Bei jedem war ich schon nach ein paar Seiten mittendrin und wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Drei davon habe ich an einem einzigen Wochenende verschlungen, das ist mir lange nicht passiert.

Wenn du gerade etwas suchst, in dem du dich verlieren kannst, auch wenn die Zeit knapp ist, dann bleib dran. Eins davon holt dich garantiert zurück zum Lesen.


🍂 Die Geschichtensammlerin

Eigentlich wollte ich nur kurz reinlesen, ein paar Seiten, um zu sehen, ob es mich anspricht. Du kennst das. Eine halbe Stunde später saß ich immer noch da und hatte den Faden längst verloren, im allerbesten Sinne.

Was mich gleich eingenommen hat, ist die Atmosphäre. Geheimnisvoll, ein wenig zurückgenommen, und trotzdem zieht sie dich von Seite zu Seite weiter, ohne dass du genau sagen könntest, woran es liegt. Die Geschichte wird dir nicht erklärt, du setzt sie dir selbst zusammen. Das Buch wechselt zwischen Gegenwart und Vergangenheit, und genau dieses Puzzeln macht süchtig. Man will einfach wissen, wie die Teile zusammengehören.

Es liest sich angenehm weg und bleibt einem trotzdem im Kopf. So ein Buch, das man weiterempfiehlt, ohne lange zu überlegen.

Mein Tipp, wenn du etwas Stilles suchst, das dich trotzdem nicht mehr loslässt:

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🔥 Der Geist eines Psychopathen – G. S. Foster

Ein ganz anderes Kaliber. Hier gibt es kein vorsichtiges Herantasten, das Buch greift sofort zu. Erste Seite, und ich war drin.

Im Mittelpunkt steht ein alter Schriftsteller, einsam, seine Frau ist schon lange tot. Er lebt auf Hawaii, und über all der Sonne und Weite liegt von Anfang an etwas, das nicht ganz geheuer ist. Dann gerät nach und nach alles aus den Fugen. Die Dinge werden seltsam und diffus, irgendwann ist da Blut im Haus, und unter all dem liegt eine alte, alte Lüge vergraben, die sich nicht länger zudecken lässt. Mehr verrate ich dir nicht, sonst nehme ich dir die Wucht.

Genau das macht es so packend. Eine ergreifende Geschichte, die unter die Haut geht, weil sie von Einsamkeit, Verlust und einem Verstand erzählt, der langsam ins Rutschen gerät. Dazu diese Rohheit, an der nichts glattgebügelt ist und die alles so unmittelbar macht. Man liest nicht über die Figuren, man steckt mittendrin. Es ist dieses Gefühl, nur noch ein Kapitel lesen zu wollen, und zwei Stunden später hältst du das Buch immer noch in der Hand.

Und dann ist da Penny Archer, eine Figur, die du so schnell nicht wieder vergisst.

Für die Abende, an denen du ein Buch willst, das dich sofort fesselt und nicht wieder freigibt:

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🌌 Der Elefant verschwindet – Haruki Murakami

Der Elefant verschwindet – Haruki Murakami

Über viele Bücher liest man ja, sie ließen sich schwer beschreiben. Das ist fast eine Floskel, die über jeden zweiten Autor fällt. Bei Murakami stimmt sie wirklich. Viele Romane kann man im Grunde gegeneinander austauschen, ein Thriller liest sich wie der nächste, egal welcher Name auf dem Cover steht. Murakami nicht. Der ist tatsächlich einzigartig. Am nächsten komme ich noch mit einem Bild: Es ist wie der Versuch, jemandem einen Traum zu erzählen. Die Bilder sind ganz klar da, aber sobald du anfängst zu reden, entwischt dir etwas davon. Und selbst das trifft es nur halb.

Dieser Band ist eine Sammlung von Kurzgeschichten und damit ein richtig guter Einstieg, falls du Murakami noch nicht gelesen hast. Acht Geschichten, jede für sich, und in jeder dieser typische Sog: ein gewöhnlicher Alltag, ganz normale Menschen, und dann gerät etwas aus den Fugen, fast unmerklich. Eine Frau, die nicht mehr schlafen kann und das als Befreiung erlebt. Ein Bäckereiüberfall, der Jahre später eine merkwürdige Fortsetzung findet. Und ein Elefant, der schlicht verschwunden ist, das Gehege verschlossen, keine Spur, keine Erklärung.

Was den Stil ausmacht, ist dieses Unaufgeregte, das man oft mit japanischer Literatur verbindet. Nichts daran ist actiongeladen, und trotzdem passiert die ganze Zeit etwas, nur eben unter der Oberfläche. Dazu die Figuren, die da nach und nach auftauchen, man möchte bei jeder ein bisschen länger bleiben. Sehr atmosphärisch, und einfach richtig, richtig gut.

Murakami gibt dir keine Antworten, und genau das ist das Schöne daran. Du legst das Buch weg und denkst noch tagelang über einzelne Bilder nach.

Perfekt für die Tage, an denen du einfach eintauchen willst:

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⚡ Dorfpunks – Rocko Schamoni

Nach Murakami und Foster dachte ich, ich wüsste ungefähr, worauf ich mich einlasse. Und dann kam das hier.

Schamoni erzählt von seiner eigenen Jugend, aufgewachsen in einem Kaff in Schleswig-Holstein, zugezogen, Außenseiter. Und dann der Punk, der ihm auf einmal eine Sprache für eine Wut gibt, die vorher keinen Namen hatte. Das Buch ist in Episoden erzählt, ruppig, manchmal absurd komisch, und gleichzeitig trifft es das Lebensgefühl dieser Jahre so genau, dass man unwillkürlich an die eigene Jugend denkt. Diese Langeweile, der erste Rausch, der Liebeskummer und der unbedingte Wille, irgendwie anders zu sein als alle anderen.

Was ich daran so mag: Es will dir nicht gefallen, und es riecht förmlich nach billigem Bier und Zigaretten. Für mich ist das ein großes Kompliment.

Wenn du ein Buch willst, das dir nichts vormacht:

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🖤 Der Ekel – Jean-Paul Sartre

Das ist kein Buch für nebenbei, wirklich nicht. Ich sage das nicht als Warnung, eher als Versprechen.

Sartre erzählt von einem Mann namens Antoine Roquentin, Historiker, allein, irgendwo in einer grauen französischen Provinzstadt. Viel passiert nicht. Er geht in die Bibliothek, läuft durch die Stadt, sitzt in seinem Zimmer. Und dann verliert die Welt um ihn herum auf einmal ihre Selbstverständlichkeit. Ein Kieselstein in seiner Hand. Der Anblick der eigenen Finger. Die Leute im Café. All das löst in ihm einen diffusen Ekel aus. Es ist die schiere Tatsache, dass diese Dinge einfach da sind, ohne Grund, die ihm zusetzt.

Sartre hat das 1938 geschrieben, als seinen ersten Roman, und es steckt schon alles darin, was ihn später zur prägenden Figur des Existenzialismus gemacht hat. Die Frage, um die das Buch kreist und die es bewusst offenlässt: Was heißt es eigentlich, zu existieren, wenn nichts davon notwendig ist?

Das klingt schwer, und das ist es auch. Nicht dass Sartre kompliziert schreiben würde. Er zwingt einen nur, wirklich mitzudenken. Man liest langsamer, hält zwischendurch inne, schaut aus dem Fenster und sieht die eigene Straße auf einmal anders. Ein Buch, das etwas in dir verschiebt und lange bleibt.

Für den Fall, dass du bereit bist, ein bisschen langsamer zu lesen:

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☀️ Bonjour Tristesse – Françoise Sagan

Nach Sartre wirkt das hier fast wie Urlaub. Fast.

Sagan war gerade einmal achtzehn, als sie diesen Roman in wenigen Wochen geschrieben hat, und man merkt es ihm an, auf die schönste Art. Da ist diese Energie, diese Leichtigkeit, und zugleich das Gefühl, dass hier jemand ganz genau weiß, was sie tut.

Die Geschichte ist schnell erzählt. Cécile, siebzehn, verbringt den Sommer mit ihrem Vater an der Côte d’Azur. Sonne, Meer, eine neue Liebe, das schöne Nichtstun. Dann taucht Anne auf, klug und selbstsicher, und wird zur Bedrohung für alles, was Cécile an ihrem Leben liebt. Was daraus entsteht, ist eine Intrige, die sich ganz langsam zuzieht.

Das Besondere ist Cécile selbst. Sie ist keine Heldin, die man sofort mag, eher egoistisch, manchmal kühl, und trotzdem versteht man sie die ganze Zeit. Sagan schreibt sie ohne jedes Urteil, und das ist die eigentliche Kunst. Am Ende klappst du das Buch zu und bist dir nicht sicher, ob dieser Sommer nun schön war oder doch nicht ganz. Genau das macht ihn unvergesslich.

Genau richtig für einen langen, faulen Nachmittag:

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Welches liest du zuerst?

Sechs Bücher, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Ein Existenzialist von 1938, ein düsterer Roman aus Hawaii, eine Punkjugend in Schleswig-Holstein, ein französischer Sommer am Meer, dazu japanische Kurzgeschichten, in denen der Alltag aus den Fugen gerät, und ein geheimnisvoller Roman, den man sich Stück für Stück selbst zusammensetzt. Das ist volle Absicht. Ich lese quer durch, je nachdem, wonach mir gerade ist, und vielleicht ist für deine nächste Stimmung ja auch etwas dabei.

Wenn dich eins davon schon beim Lesen dieser Zeilen gejuckt hat, ist das meistens das richtige. Fang einfach damit an.

Und falls du eins davon liest oder schon gelesen hast, finde ich es richtig schön, wenn du mir in den Kommentaren schreibst, wie es dir damit ging und was es mit dir gemacht hat. Ich bin jedes Mal neugierig, ob ein Buch jemand anderen genauso erwischt wie mich.

Alle Bücher im Überblick
  1. Die Geschichtensammlerin
  2. Der Geist eines Psychopathen – G. S. Foster
  3. Der Elefant verschwindet – Haruki Murakami
  4. Dorfpunks – Rocko Schamoni
  5. Der Ekel – Jean-Paul Sartre
  6. Bonjour Tristesse – Françoise Sagan
Einige dieser Bücher sind auch über Kindle Unlimited verfügbar. Wenn du das ausprobieren möchtest, kannst du dir das hier anschauen:

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