Longevity einfach erklärt: Was steckt hinter dem Trend vom langen, gesunden Leben?
Longevity begegnet mir gerade gefühlt überall. Auf Instagram, in Artikeln, in der Beauty-Welt und inzwischen auch auf Produkten. Irgendwann habe ich mich deshalb gefragt: Was bedeutet Longevity eigentlich genau? Geht es wirklich darum, möglichst alt zu werden? Was haben die sogenannten Blue Zones damit zu tun? Und muss ich jetzt anfangen, meinen Schlaf zu vermessen und irgendwelche Longevity-Supplements zu bestellen?
Also habe ich angefangen, mich mit dem Thema zu beschäftigen. Und je mehr ich gelesen habe, desto interessanter fand ich es. Denn hinter dem momentan ziemlich angesagten Begriff stecken einerseits moderne Forschung, Wearables, Biohacking und ein inzwischen ziemlich großer Markt. Andererseits geht es erstaunlich oft um Dinge, die eigentlich überhaupt nicht neu sind.
Bewegung. Schlaf. Essen. Beziehungen. Ruhe. Einen Sinn im eigenen Tun sehen. Nicht den kompletten Tag sitzend vor einem Bildschirm verbringen.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum mich das Thema inzwischen so interessiert. Nicht die Vorstellung, mein Leben bis ins kleinste Detail zu optimieren. Sondern die Frage: Was können wir eigentlich heute schon tun, damit wir uns möglichst lange gesund, beweglich und mitten im Leben fühlen?
Vorweg: Ich bin keine Medizinerin. Dieser Artikel ist meine persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema Longevity und ersetzt natürlich keine medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen, Beschwerden oder der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln gehört die individuelle Beratung in professionelle Hände.
Was bedeutet Longevity überhaupt?
Wörtlich übersetzt bedeutet Longevity zunächst einfach Langlebigkeit. In der aktuellen Diskussion geht es aber häufig um mehr als darum, möglichst viele Geburtstage zu erleben.
Entscheidend ist ein zweiter Begriff: Healthspan.
Lifespan beschreibt die gesamte Lebensspanne.
Healthspan meint vereinfacht gesagt die Jahre, die wir möglichst gesund und mit guter körperlicher und geistiger Funktionsfähigkeit verbringen.
Und diesen zweiten Gedanken finde ich persönlich viel interessanter. Denn vermutlich wünschen sich die wenigsten Menschen einfach nur eine möglichst hohe Zahl auf ihrer Geburtstagstorte. Wir möchten möglichst lange selbstständig sein, uns bewegen können, Entscheidungen treffen, Menschen treffen, Dinge unternehmen und unser Leben gestalten.
Das passt auch gut zu dem, was die Weltgesundheitsorganisation unter Healthy Ageing versteht. Dabei geht es nicht einfach darum, vollkommen frei von Krankheiten zu sein. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Fähigkeit, auch im Alter die Dinge tun zu können, die für das eigene Leben wichtig sind. Dazu gehören unter anderem Mobilität, Beziehungen, selbstständige Entscheidungen und gesellschaftliche Teilhabe.
Und plötzlich klingt Longevity für mich schon sehr viel weniger nach Silicon-Valley-Biohacking und sehr viel mehr nach einer ziemlich vernünftigen Frage.
Warum ist Longevity gerade plötzlich überall?
Die Frage, wie wir gesund alt werden können, ist natürlich nicht neu. Neu ist eher, wie viele unterschiedliche Bereiche heute unter dem Begriff Longevity zusammenkommen.
Da treffen klassische Themen wie Ernährung, Bewegung, Schlaf und Vorsorge auf moderne Altersforschung, Stoffwechsel, Zellbiologie, Wearables, biologische Alterstests und Biohacking.
Und wo ein Trend entsteht, entsteht natürlich auch ein Markt.
Inzwischen findet man Longevity-Nahrungsergänzungsmittel, spezielle Lebensmittel, Tests, Tracker, Hautpflege, Programme und allerlei Produkte, die uns versprechen, unsere Gesundheit oder sogar unseren Alterungsprozess zu optimieren.
Das bedeutet nicht automatisch, dass alles davon Unsinn ist. Aber genauso wenig bedeutet das Wort Longevity auf einer Verpackung, dass ein Produkt automatisch sinnvoll oder wissenschaftlich gut belegt ist.
Genau diese Unterscheidung finde ich bei dem Thema wichtig.
Was sind die Blue Zones?
Wenn man sich mit Longevity beschäftigt, dauert es nicht lange, bis einem die sogenannten Blue Zones begegnen.
Damit werden Regionen bezeichnet, in denen besonders viele Menschen ein außergewöhnlich hohes Alter erreichen. Bekannt geworden sind vor allem Okinawa in Japan, Sardinien in Italien, die Nicoya-Halbinsel in Costa Rica und Ikaria in Griechenland. Häufig wird außerdem die Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten im kalifornischen Loma Linda genannt.
Die spannende Frage dahinter lautet natürlich: Warum werden dort so viele Menschen so alt?
Und genau an diesem Punkt wird es interessant, aber auch ein bisschen komplizierter.
Denn aus solchen Beobachtungen lässt sich nicht ableiten, dass wir nur den Lebensstil einer bestimmten Region kopieren müssen und anschließend automatisch 100 Jahre alt werden. Auch die wissenschaftliche Evidenz zu den einzelnen Blue Zones ist unterschiedlich stark, und bei einigen Regionen werden die Daten und ihre Interpretation weiterhin diskutiert.
Deshalb finde ich eine andere Frage sinnvoller:
Was können wir aus der Forschung über besonders langlebige Bevölkerungsgruppen lernen und welche dieser Gewohnheiten decken sich mit dem, was wir ohnehin über gesundes Altern wissen?
Was fällt beim Lebensstil besonders langlebiger Menschen auf?
Wenn man sich die verschiedenen Ansätze anschaut, tauchen einige Themen immer wieder auf. Und überraschenderweise braucht man für die meisten davon weder ein Labor noch eine komplizierte Morgenroutine.
1. Bewegung gehört zum Alltag
Einer der Punkte, die mich am wenigsten überraschen, ist Bewegung. Interessant finde ich aber, dass damit nicht ausschließlich Sport im klassischen Sinne gemeint ist.
Gehen, Treppen steigen, Gartenarbeit, Fahrrad fahren, Dinge tragen, draußen unterwegs sein: Bewegung kann ganz selbstverständlich Teil des Tages sein.
Das gefällt mir wesentlich besser als die Vorstellung, dass Bewegung nur dann zählt, wenn man dafür Sportkleidung anzieht und ein Trainingsprogramm absolviert.
Natürlich darf man Sport machen. Aber vielleicht lohnt es sich genauso, einmal darauf zu schauen, wie viel Bewegung im restlichen Alltag eigentlich noch übrig bleibt.
2. Ernährung muss nicht kompliziert sein
Auch Ernährung spielt eine große Rolle. In vielen Diskussionen rund um langlebige Bevölkerungsgruppen fällt auf, dass pflanzliche Lebensmittel einen hohen Stellenwert haben.
Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst, Vollkornprodukte, Nüsse und andere wenig verarbeitete Lebensmittel sind dabei wesentlich unspektakulärer als viele moderne Longevity-Produkte.
Und vielleicht ist gerade das interessant: Gesundes Altern scheint nicht daran zu hängen, jeden Monat das neueste Superfood zu entdecken.
3. Essen, bis man satt ist und nicht zwangsläufig darüber hinaus
Im Zusammenhang mit Okinawa begegnet einem häufig das Prinzip Hara Hachi Bu. Oft wird daraus die bekannte „80-Prozent-Regel“ gemacht.
Ich würde daraus allerdings keine mathematische Essensregel machen. Niemand muss beim Abendessen ausrechnen, ob er gerade bei 79 oder 83 Prozent angekommen ist.
Interessanter finde ich den Gedanken dahinter: wieder bewusster wahrzunehmen, wann man eigentlich satt ist, langsamer zu essen und nicht automatisch weiterzuessen, nur weil noch etwas auf dem Teller liegt.
4. Beziehungen sind kein nettes Extra
Familie, Freunde, Nachbarschaft und Gemeinschaft tauchen beim Thema gesundes Altern erstaunlich häufig auf.
Das finde ich gerade für einen Familienblog wichtig. Gesundheit findet schließlich nicht ausschließlich im Fitnessstudio oder auf dem Teller statt. Unser Leben besteht auch aus Menschen.
Gemeinsam essen, jemanden anrufen, sich treffen, füreinander da sein, miteinander lachen oder das Gefühl haben, irgendwo dazuzugehören, sind keine spektakulären Longevity-Hacks. Und vielleicht liegt gerade darin ihre Stärke.
5. Einen Grund haben, morgens aufzustehen
Auch Sinn und Aufgabe spielen in vielen Longevity-Konzepten eine Rolle. Das muss für mich überhaupt keine große Lebensmission sein.
Familie kann Sinn geben. Arbeit kann es. Ein Hobby, ein Ehrenamt, Freundschaften, Tiere, ein Garten, Kreativität oder etwas Neues zu lernen ebenfalls.
Vielleicht geht es weniger darum, den einen großen „Purpose“ zu finden, sondern darum, Dinge im Leben zu haben, auf die man sich freut und für die man morgens gerne aufsteht.
6. Und dann wäre da noch das Runterkommen
„Stress reduzieren“ ist so ein Ratschlag, den man schnell hinschreibt. Nur hilft einem das im normalen Alltag herzlich wenig. Schließlich kann ich nicht morgens beschließen, heute einfach keinen Stress zu haben.
Ich merke das bei mir selbst ziemlich deutlich. Manchmal ist überhaupt nichts Dramatisches passiert. Ein unangenehmes Telefonat reicht schon. Oder es kommt irgendeine neue Sache dazu, über die ich wieder nachdenken muss. Eigentlich eine Kleinigkeit, und trotzdem merke ich: Mein Kopf läuft weiter und ich fühle mich gestresst.
Mir hilft dann Meditation. Das mache ich inzwischen schon seit Jahren.
Wenn ich merke, dass ich gerade wirklich Ruhe brauche, sage ich meiner Familie auch: Ich bin jetzt mal eine halbe Stunde im Schlafzimmer und brauche kurz Zeit für mich. Das musste sich bei uns natürlich auch erst einspielen. Inzwischen funktioniert das aber gut.
Am liebsten mache ich geführte Meditationen. Ich lege mich hin, beginne mit ein paar bewussten Atemzügen und lasse mich dann durch die Meditation führen. Für mich funktioniert das wesentlich besser als nur Musik oder irgendwelche Klänge, weil meine Gedanken sonst ziemlich schnell wieder bei dem landen, was ich eigentlich noch erledigen wollte.
Bei jemand anderem können genau diese Klänge wiederum perfekt funktionieren. Vielleicht sind es Regengeräusche. Vielleicht zehn Minuten mit geschlossenen Augen. Vielleicht Yoga, ein Spaziergang ohne Handy, Tagebuchschreiben, ein Buch oder einfach ein bisschen Stille.
Es geht für mich gar nicht darum, welche Methode die richtige ist. Entscheidend ist dieser kleine Moment, in dem man tatsächlich einmal versucht, aus dem Alltagskarussell auszusteigen. Nicht organisieren, nicht planen, nicht schon wieder das nächste Problem lösen. Einfach kurz da sein und atmen.
Natürlich wird meine To-do-Liste dadurch nicht kürzer. Und ich werde auch nicht automatisch länger leben, nur weil ich meditiere. Aber ich habe für mich eine Möglichkeit gefunden, zwischendurch wirklich einmal aus diesem permanenten inneren Weiterlaufen herauszukommen.
Die Done-Liste: Eine Idee aus der Flow, die bei mir hängen geblieben ist
Anfang des Jahres hat mir eine Freundin die Flow empfohlen. Ich habe mir eine Ausgabe gekauft und seitdem tatsächlich keine mehr ausgelassen. Das ist übrigens keine Kooperation und ich bekomme dafür auch nichts. Ich mag die Zeitschrift einfach wirklich gern.
Schon das Lesen ist für mich so eine kleine Auszeit. Abends aufs Sofa, Zeitschrift statt Bildschirm, und die Themen passen einfach oft gut zu Dingen, über die ich selbst nachdenke. Dazu kommen immer wieder kleine Extras, Journals oder andere schön gemachte Sachen.
In einer der Ausgaben habe ich von einer Idee gelesen, die ich inzwischen sogar Freunden weitererzählt habe: die Done-Liste.
Normalerweise schreiben wir To-do-Listen. Was muss ich noch machen? Wen muss ich anrufen? Was darf ich nicht vergessen? Was muss heute unbedingt fertig werden?
Und selbst wenn man sich sagt, dass man nicht alles davon heute erledigen muss, steht es da. Nicht abgehakt. Noch offen. Irgendwie erzeugt allein das schon Druck.
Bei der Done-Liste dreht man das Ganze einfach um. Am Abend oder am Ende der Woche schreibt man auf, was man bereits erledigt und geschafft hat.
Und das ist oft erstaunlich viel. Gerade diese ganzen kleinen Dinge des Alltags nehmen wir irgendwann überhaupt nicht mehr wahr. Einkaufen, kochen, Wäsche, ein schwieriges Telefonat, Termine organisieren, etwas für die Kinder regeln, arbeiten, jemanden unterstützen, endlich eine Sache klären, die seit Tagen im Kopf herumspukt.
Ich fand diesen Perspektivwechsel richtig gut. Statt wieder auf die nächste offene Aufgabe zu schauen, sieht man plötzlich schwarz auf weiß, was längst geschafft ist. Eigentlich simpel. Aber manchmal haben wir im Alltag bei solchen Dingen tatsächlich ein kleines Brett vorm Kopf.
Vielleicht ist Longevity auch eine Reaktion auf unseren modernen Alltag
Je länger ich mich mit dem Thema beschäftigt habe, desto öfter hatte ich einen Gedanken: Vieles von dem, was heute unter Longevity diskutiert wird, sollte eigentlich ziemlich normal sein.
Wir brauchen Bewegung. Wir brauchen Schlaf. Wir brauchen vernünftiges Essen. Wir brauchen andere Menschen. Wir brauchen Erholung und Dinge, die unserem Leben Bedeutung geben.
Nur leben wir gleichzeitig in einem Alltag, in dem man unglaublich viel sitzen kann, ohne es überhaupt zu merken. Arbeit am Bildschirm, Handy, Streaming, Online-Shopping, Social Media, Nachrichten und ständige Erreichbarkeit begleiten uns teilweise vom Aufstehen bis zum Einschlafen.
Vielleicht erklärt das auch, warum Journaling, Meditation, Slow Living, Spaziergänge und bewusste bildschirmfreie Zeiten gerade wieder so viele Menschen beschäftigen.
Nicht alles davon muss sofort wieder ein neues Selbstoptimierungsprojekt werden. Vielleicht darf man auch einfach manchmal das Handy weglegen.
Longevity muss nicht bedeuten, jeden Bereich des Lebens zu vermessen.
Vielleicht bedeutet es manchmal sogar genau das Gegenteil: weniger Bildschirm, weniger Dauerbeschallung, ein bisschen mehr Bewegung, ein Gespräch, ein gutes Essen und zwischendurch tatsächlich einmal nichts leisten zu müssen.
Und was ist mit Supplements, Biohacking und Longevity-Produkten?
Spätestens hier wird es schwieriger.
Rund um Longevity entsteht gerade ein großer Markt. Angeboten werden unter anderem Nahrungsergänzungsmittel, Bluttests, biologische Alterstests, Schlaftracker, spezielle Lebensmittel, Hautpflege und verschiedenste Biohacking-Produkte.
Das bedeutet nicht automatisch, dass all diese Dinge unsinnig sind.
Es bedeutet aber genauso wenig, dass ein Produkt allein deshalb wissenschaftlich sinnvoll ist, weil das Wort Longevity daraufsteht.
Bei Longevity würde ich deshalb drei Dinge unterscheiden:
Gut belegt: Grundlagen wie regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und die Behandlung vorhandener Risikofaktoren gehören seit Langem zu den wichtigen Bausteinen gesunden Alterns.
Interessant, aber noch in der Forschung: Viele Mechanismen des Alterns werden intensiv untersucht. Dass ein biologischer Prozess spannend ist, bedeutet jedoch noch nicht automatisch, dass daraus bereits eine wirksame Alltagsempfehlung für Menschen entsteht.
Marketing: Vorsichtig würde ich immer dann werden, wenn einzelne Produkte versprechen, Alterung deutlich zu verlangsamen, Zellen zu „verjüngen“ oder das Leben praktisch im Alleingang zu verlängern.
Braucht man für Longevity Nahrungsergänzungsmittel?
Nahrungsergänzungsmittel gehören inzwischen fest zum Longevity-Markt. Von Vitaminen und Mineralstoffen bis zu Algenprodukten und deutlich spezielleren Wirkstoffen findet man inzwischen fast alles.
Trotzdem würde ich sie nicht als Voraussetzung für einen Longevity-Lifestyle betrachten.
Ob ein bestimmter Mikronährstoff sinnvoll ist, hängt unter anderem von Ernährung, Lebenssituation, individuellen Bedürfnissen und möglichen Mängeln ab. Und ein Präparat, das bei einem tatsächlich bestehenden Mangel sinnvoll sein kann, ist noch lange kein allgemeines Mittel für ein längeres Leben.
Wenn ich hier künftig einzelne Produkte genauer vorstelle, möchte ich deshalb immer schauen: Was steckt tatsächlich drin? Wofür gibt es vernünftige Hinweise? Und was verspricht lediglich das Marketing?
Wenn du tiefer einsteigen möchtest: Bücher über Longevity
Für einen ersten Überblick reicht ein Artikel natürlich irgendwann nicht mehr. Wenn dich das Thema genauso neugierig gemacht hat wie mich, habe ich drei Bücher herausgesucht, die Longevity aus etwas unterschiedlichen Richtungen betrachten.
Happiness & Longevity – Das Mitmach-Buch
Eine interessante Wahl, wenn du nicht nur über Longevity lesen möchtest, sondern Lust auf einen praktischeren Zugang und eigene Umsetzung hast.
Buch bei Amazon ansehen*OUTLIVE – Wie wir länger und besser leben können, als wir denken
Peter Attia beschäftigt sich ausführlicher mit der Frage, wie sich Gesundheit möglichst lange erhalten lässt. Für mich eher die Wahl für alle, die nach dem Einstieg tiefer in das Thema einsteigen möchten.
OUTLIVE bei Amazon ansehen*LNGVTY – Bewegung, Ernährung, Stressbewältigung
Dieses Buch passt besonders gut zu den Alltagsthemen, die auch hier im Artikel eine Rolle spielen: Bewegung, Ernährung und der Umgang mit Stress im Zusammenhang mit gesundem Altern.
LNGVTY bei Amazon ansehen*Muss man für Longevity eigentlich alles tracken?
Nein. Ganz sicher nicht.
Ich finde sogar, dass das ziemlich schnell dem widersprechen kann, was mich an dem Thema eigentlich interessiert. Wenn aus jedem Spaziergang, jeder Nacht und jeder Ruhepause sofort eine Zahl wird, die möglichst noch besser werden muss, haben wir am Ende vielleicht nur eine weitere To-do-Liste geschaffen.
Trotzdem finde ich Wearables an einer Stelle spannend: wenn man einfach einmal wissen möchte, wie der eigene Alltag tatsächlich aussieht.
Wie viel bewege ich mich wirklich? Wie regelmäßig schlafe ich? Und sind die Schritte, die ich gefühlt jeden Tag durch Haus, Arbeit und Alltag mache, tatsächlich so viele, wie ich denke?
Das Handy kann zwar einiges davon erfassen. Nur liegt mein Handy eben auch mal auf dem Tisch, während ich durch die Wohnung laufe. Einen Ring oder ein leichtes Armband trägt man dagegen normalerweise wesentlich kontinuierlicher.
Wer Spaß an solchen Daten hat, kann sie deshalb nutzen, um die eigenen Gewohnheiten bewusster wahrzunehmen. Nicht als medizinische Diagnose und nicht mit dem Anspruch, dadurch automatisch gesünder oder älter zu werden. Eher als kleinen Realitätscheck für den eigenen Alltag.
Tracken ohne noch einen Bildschirm mehr
Diesen Ansatz fand ich gerade im Zusammenhang mit dem Thema Entschleunigung interessant: ein Fitness-Tracker ohne klassisches Smartwatch-Display.
Man kann bestimmte Alltagsdaten erfassen, ohne sich gleichzeitig noch Nachrichten, Anrufe, E-Mails und die nächste Benachrichtigung ans Handgelenk zu holen. Gerade wenn man eigentlich versucht, ein bisschen weniger auf Bildschirme zu schauen, finde ich das wesentlich sympathischer als noch ein zusätzliches Display.
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Eine andere Möglichkeit sind Smart Rings. Sie sitzen einfach am Finger und können je nach Modell unter anderem Schlaf und Aktivität erfassen. Bei dem Modell, das ich herausgesucht habe, waren für mich zwei praktische Dinge wichtig: Es funktioniert sowohl mit iOS als auch mit Android und für die Nutzung ist kein zusätzliches Abo erforderlich.
Gerade den letzten Punkt würde ich beim Kauf eines Wearables immer prüfen. Wenn ich ein Gerät bereits kaufe, möchte ich persönlich nicht nach einem Jahr feststellen, dass ich für die weitere Nutzung bestimmter Funktionen plötzlich noch dauerhaft ein Abo bezahlen muss.
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Longevity im Alltag: Muss ich jetzt mein ganzes Leben optimieren?
Das wäre für mich tatsächlich die falsche Schlussfolgerung aus dem ganzen Thema.
Ich möchte nicht morgens aufstehen und als Erstes überprüfen, ob ich perfekt geschlafen habe, anschließend mein Frühstück optimieren, jeden Schritt kontrollieren, meine Stresswerte beobachten und abends feststellen, dass ich heute leider nicht optimal genug gelebt habe.
Das klingt für mich nicht nach einem besonders schönen langen Leben.
Viel hilfreicher finde ich eine andere Frage:
Was kann ich heute tun, damit es meinem Körper und meinem Leben auch in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren möglichst gut geht?
Die Antwort darauf muss nicht jeden Tag gleich aussehen.
Vielleicht ist es Sport. Vielleicht gehe ich eine Runde spazieren. Vielleicht koche ich etwas Vernünftiges, gehe heute früher ins Bett oder rufe jemanden an, von dem ich lange nichts gehört habe.
Und vielleicht besteht mein persönlicher Longevity-Moment an einem völlig chaotischen Tag auch einfach darin, für eine halbe Stunde die Schlafzimmertür zuzumachen, eine Meditation anzuschalten und meiner Familie zu sagen: Ich brauche jetzt kurz Ruhe.
Das Leben muss schließlich nicht erst perfekt werden, bevor wir anfangen können, gut mit uns umzugehen.
Mein Fazit: Longevity ist mehr als nur der nächste Wellness-Trend
Als mir der Begriff Longevity in letzter Zeit immer häufiger begegnet ist, habe ich zunächst tatsächlich gedacht: Da kommt eben der nächste große Gesundheitstrend.
Und ein Teil davon ist das sicherlich. Wo Aufmerksamkeit entsteht, entstehen Produkte, Programme und große Versprechen.
Aber unter dieser ganzen Trendoberfläche steckt eine Frage, die ich ziemlich wertvoll finde:
Wie möchte ich eigentlich älter werden?
Nicht nur: Wie werde ich möglichst alt?
Sondern: Wie kann ich möglichst lange beweglich bleiben, mein Leben selbst gestalten, Menschen um mich haben, Dinge tun, die mir Freude machen, und körperlich wie geistig möglichst gut für mich sorgen?
Dafür gibt es keine einzelne Pille und vermutlich auch keine perfekte Morgenroutine.
Vieles beginnt erstaunlich unspektakulär: bewegen, vernünftig essen, schlafen, Beziehungen pflegen, Pausen machen und Dinge im Leben haben, die einem etwas bedeuten.
Und vielleicht ab und zu statt der nächsten To-do-Liste einmal eine Done-Liste schreiben.
Allein diese Idee nehme ich für mich jedenfalls gerne mit.
Häufige Fragen zu Longevity
Was bedeutet Longevity auf Deutsch?
Longevity bedeutet wörtlich Langlebigkeit. Im heutigen Gesundheitskontext geht es häufig nicht nur um eine möglichst lange Lebensspanne, sondern darum, möglichst viele Jahre davon gesund, selbstständig und mit guter körperlicher und geistiger Funktionsfähigkeit zu verbringen.
Was ist der Unterschied zwischen Lifespan und Healthspan?
Lifespan bezeichnet die gesamte Lebensdauer eines Menschen. Healthspan beschreibt vereinfacht die Lebensjahre, die wir möglichst gesund und funktionell verbringen. Genau deshalb richtet sich ein großer Teil der Longevity-Diskussion inzwischen nicht nur auf die Frage, wie lange wir leben, sondern wie wir älter werden.
Was sind Blue Zones?
Als Blue Zones werden Regionen bezeichnet, die für eine besonders hohe Zahl sehr alter Menschen bekannt geworden sind. Dazu werden häufig Okinawa, Sardinien, Nicoya, Ikaria und die Adventisten-Gemeinschaft in Loma Linda gezählt. Die wissenschaftliche Datenlage ist allerdings nicht für jede dieser Regionen gleich stark.
Kann man selbst beeinflussen, wie gesund man altert?
Nicht alle Faktoren liegen in unserer Hand. Gene, Erkrankungen, Lebensbedingungen und viele weitere Einflüsse spielen ebenfalls eine Rolle. Gleichzeitig gehören Bewegung, Ernährung, Schlaf, soziale Beziehungen, Vorsorge und ein sinnvoller Umgang mit Stress zu den Bereichen, auf die wir zumindest teilweise Einfluss nehmen können.
Brauche ich Nahrungsergänzungsmittel für Longevity?
Nein, Nahrungsergänzungsmittel sind keine allgemeine Voraussetzung für einen Longevity-Lifestyle. Ob ein bestimmtes Präparat individuell sinnvoll ist, hängt unter anderem von Ernährung, Lebenssituation, möglichen Mängeln und gesundheitlichen Faktoren ab. Große Versprechen rund um einzelne „Longevity-Wirkstoffe“ sollte man deshalb kritisch betrachten.
Brauche ich einen Fitness-Tracker oder Smart Ring?
Nein. Wearables sind für Longevity nicht notwendig. Sie können interessant sein, wenn du einmal genauer beobachten möchtest, wie viel du dich tatsächlich bewegst oder wie deine Schlafgewohnheiten aussehen. Die Werte sind dabei eher eine Orientierung und ersetzen keine medizinische Untersuchung.
Longevity im Familienalltag
Und was ist eigentlich mit unseren Kindern?
Während ich mich mit Longevity, Stress und diesem bewussten Aussteigen aus dem Alltagskarussell beschäftigt habe, musste ich irgendwann auch an Kinder denken. Denn natürlich betrifft ein voller Alltag nicht nur uns Erwachsene.
Schule, Hausaufgaben, Hobbys und Vereine, Verabredungen und Freundschaften bringen schon genug Eindrücke mit sich. Dazu kommen bei vielen Kindern heute relativ früh Handy, Internet, Videos, Spiele und Nachrichten.
Echte Langeweile, also diese Momente, in denen einfach einmal nichts geplant ist und auch nicht sofort ein Bildschirm einspringt, ist dadurch manchmal gar nicht mehr so selbstverständlich.
Ich finde deshalb, dass kleine Ruheinseln auch im Familienalltag ihren Platz haben dürfen. Das muss überhaupt nicht bedeuten, dass Kinder meditieren sollen oder wir zu Hause plötzlich ein strenges Digital-Detox-Programm einführen. Es kann genauso gut heißen: Handy weg, etwas malen, matschen, bauen, lesen, draußen sein oder einfach einmal schauen, was einem selbst einfällt, wenn gerade niemand Unterhaltung vorgibt.
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Fühlen, ausprobieren, matschen und entdecken: einfache Spielideen, bei denen Kinder selbst aktiv werden und kein Bildschirm nötig ist.
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Unsere liebsten Ideen für einen entspannten Regentag mit Kindern, wenn nicht jede freie Minute vor Tablet oder Fernseher stattfinden soll.
Handlettering lernen: schöne Buchstaben, die wirklich Freude machen
Eine ruhige kreative Beschäftigung mit Papier und Stift, die ganz bewusst einmal ohne Bildschirm auskommt.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und beschreibt außerdem meine persönliche Beschäftigung mit dem Thema Longevity. Er ersetzt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden, individuellen Risikofaktoren oder Fragen zu Nahrungsergänzungsmitteln wende dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine entsprechend qualifizierte Fachperson.
Quellen & weiterführende Informationen
World Health Organization (WHO): Healthy ageing and functional ability
National Institute on Aging (NIA): What Do We Know About Healthy Aging?
National Institute on Aging (NIA): Tips To Boost Your Health as You Age
Für den Abschnitt über die Blue Zones wurden außerdem wissenschaftliche Übersichtsarbeiten zur Forschung über besonders langlebige Bevölkerungsgruppen berücksichtigt.

